Apple Healthbook derzeit nur bedingt zum „self-tracking“ des Blutdrucks zu empfehlen

22. September 2014 | Kategorie: Gesundheitstipps
             

Heidelberg, September 2014 – Puls, Lauftempo und Kalorienverbrauch in Echtzeit messen – ab sofort steht Gesundheitsbewussten dafür das „Apple Healthbook“ im neuen iOS 8.0 Betriebssystem des iPhones zu Verfügung. Doch für die Blutdruckmessung im Rahmen einer medizinischen Behandlung eignet sich die „App“ noch nicht, betont die Deutsche Hochdruckliga DHL® Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Denn das Healthbook besitzt bisher noch keine funktionierende Schnittstelle zu Blutdruckmessgeräten – der Nutzer muss die Werte noch von Hand eingeben. Vor allem aber prüft die Applikation nicht automatisch, ob diese Eingabe plausibel ist. Die registrierten Werte könnten dadurch erheblich von den tatsächlichen abweichen. Dies hätte wiederum Konsequenzen für eine mögliche Behandlung. Die Deutsche Hochdruckliga rät deshalb noch davon ab, sich bei der Blutdruck-Selbstmessung komplett auf das „self-tracking“ mit Hilfe des Healthbook zu verlassen.
Trainingsprogramme, Diäten und Körperfunktionen im Blick – die zentrale App „Healthbook“ soll dies alles können. „Doch der Einsatz im Rahmen der Hypertoniebehandlung ist derzeit noch nicht generell zu empfehlen“, sagt Professor Dr. med. Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga aus Karlsruhe. In einem ersten Test sind der Deutschen Hochdruckliga zwei Dinge aufgefallen: Derzeit lassen sich Vitalwerte nur per Hand eintragen. Es ist noch nicht möglich, Messwerte aus Blutdruckmessgeräten digital zu übertagen. Bei der manuellen Eingabe ist darüber hinaus besondere Vorsicht geboten, warnt Hausberg: „Die aktuelle Version der Anwendung führt keine automatische Plausibilitätsprüfung der Daten durch.“ So lassen sich beispielsweise Fantasie-Blutdruckwerte von 500 zu 500 mm/Hg in die App eingeben und abspeichern. „Nutzer sollten sich der Gefahr bewusst sein, dass die eingebenden Werte noch nicht plausibilisiert werden und auch noch nicht auf die international anerkannten Grenzwerte hingewiesen wird“, so der Experte.
Die Deutsche Hochdruckliga begrüßt die sich zukünftig ergebenden Möglichkeiten zur Blutdruck-Selbstmessung mit einer APP: Denn dass Menschen mit Bluthochdruck die Messungen in der Arztpraxis durch Blutdruck-Selbstmessung ergänzen, sei sehr wichtig, um ein möglichst vollständiges und realistisches Bild zu bekommen. „Die von den Betroffenen zu Hause selbst gemessenen Blutdruckwerte sind meist aussagekräftiger als die Einzelmessungen beim Arzt“, erläutert Professor Hausberg. Auch die Selbstüberwachung der Blutdruckwerte in Form eines self-tracking mit einer Smartphone-APP könne die Behandlung entscheidend unterstützen, sofern die Daten direkt vom Blutdruckmessgerät übertragen werden. Die Firma Apple arbeitet daran, in die App Schnittstellen zu den gängigen Blutdruckmessgeräten einzubinden.
Wie wichtig die regelmäßige Selbstmessung wäre, belegen die Zahlen: Etwa 20 bis 30 Millionen Bundesbürger haben Bluthochdruck – und das nicht erst im Alter: Schon in jungen Jahren richtet Bluthochdruck bleibende Schäden an den Gefäßen an. Hypertonie ist Risikofaktor Nummer 1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und damit für die meisten Todesfälle mit verantwortlich. „Zwar haben sich die Zahlen auch dank der langjährigen Arbeit der Hochdruckliga gebessert“, meint Hausberg, „doch noch immer wissen zu wenige von ihrem Bluthochdruck und zu wenige kontrollieren und behandeln ihn wirksam. Die Deutsche Hochdruckliga setzt sich deshalb dafür ein, dem Ziel „30-50-80“ näher zu kommen: Danach sollten Menschen ab 30 Jahre ihren Blutdruck kennen. Bei allen Bluthochdruckpatienten im Alter von 50 Jahren sollte der Blutdruck richtig eingestellt sein. Bei den 80-Jährigen schließlich sei das Ziel, Behinderungen durch Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu verhindern. Die regelmäßige Selbstmessung sei ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Quelle: Deutsche Hochdruckliga DHL® Gesellschaft für Hypertonie und Prävention.

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