Bei Grad I Hypertonie im ersten Schritt Lebensstiländerungen empfohlen

15. Februar 2014 | Kategorie: News
             

DHL®-Stellungnahme zu milder Hypertonie

Lebensstiländerungen sind das Mittel der 1. Wahl bei ansonsten gesunden Patienten. Eine zusätzliche medikamentöse Therapie ist dennoch bei einem Teil der Patienten notwendig.

Ein kürzlich im ZDF- / 3SAT Magazin „nano“ gesendeter Beitrag setzt sich kritisch mit aktuellen Empfehlungen zur Behandlung der sogenannten „milden“ Hypertonie auseinander – also von Patienten mit Blutdruckwerten zwischen 140 und 159 mmHg systolisch und/oder 90 bis 99 mmHg diastolisch, heute als Grad I Hypertonie bezeichnet.

Grundlage der Sendung war eine im Jahr 2012 von der Cochrane Collaboration publizierte Meta-Analyse von Studien zur milden Hypertonie (nach obiger Definition) beschränkt auf Patienten ohne weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren oder Vorerkrankungen. Hier konnten die Autoren keinen signifikanten Nutzen einer medikamentösen Therapie im Hinblick auf kardiovaskuläre Endpunkte und Sterblichkeit finden.

Ohne den prinzipiellen Nutzen von Meta-Analysen infrage zu stellen, sei zumindest darauf hingewiesen, dass für diese Meta-Analyse von den Autoren nur 8912 Patienten aus 4 Studien ausgewählt wurden – u.a. aus einer Studie (SHEP-Studie) gerade einmal 7 Patienten von 4736 dort teilnehmenden Patienten. Diese selektive Auswahl ist mit einem hohen BIAS-Risiko beladen. Damit ist diese Meta-Analyse „underpowered“, d.h. zu wenige Patienten wurden über einen zu kurzen Zeitpunkt nachverfolgt. Je „gesünder“ und jünger Hochdruckkranke sind, desto seltener kommt es (erwartungsgemäß) zu Endpunkten wie z.B. Schlaganfall, Herzinfarkt oder gar Tod. Nichtsdestotrotz war in der medikamentös behandelten Gruppe die Rate an Schlaganfällen nur halb so hoch wie im Kontrollarm (nicht-signifikanter Trend). Wichtig ist auch, dass diese Studien nur mit ß-Blockern und Diuretika durchgeführt wurden; neuere Substanzen wie ACE-Hemmer, AT1-Blocker oder Kalzium-Antagonisten wurden bisher bei der Indikation „milde Hypertonie“ nie in randomisierten Studien getestet.

Alle jüngeren Therapieempfehlungen (u.a. ESH/ESC 2009 und 2013, JNC 8, Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®) sind sich einig, dass Patienten mit milder Hypertonie und ohne weitere Risikofaktoren eine niedrig-Risiko-Population darstellen. Daher wird unisono primär eine nicht-medikamentöse Behandlung mit Lebensstiländerungen (lifestyle changes) empfohlen. Erst wenn eine solche Therapie nach mehreren Monaten keinen Erfolg zeigt, wird von allen Fachgesellschaften auch bei Patienten mit Grad I Hypertonie („milder“ Hypertonie) eine medikamentöse Therapie mit einem für den Patienten passenden Antihypertensivum empfohlen. Neue Placebo-kontrollierte Studien zur Behandlung dieser Patientengruppe wird es – schon aus ethischen Gründen – nicht mehr geben.

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® bestätigt damit ihre Empfehlung zur Behandlung von Patienten mit Grad I Hypertonie ohne Risikofaktoren: primär nicht-medikamentöse Maßnahmen, bei Bedarf aber auch konsequente medikamentöse Therapie.

gez. Vorstand der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention, Februar 2014

Quelle: Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®

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