Blutdrucksenkung bei hochbetagten Patienten unverzichtbar für den Erhalt von Selbständigkeit und Lebensqualität

6. April 2013 | Kategorie: Behandlung
             

Fast alle Menschen ≥ 80 Jahre weisen eine Hypertonie auf. Blutdrucksenkung

Das Schlaganfallrisiko, die Mortalität und das Herzinsuffizienzrisiko von Hochbetagten konnte in der HYVET-Studie (The HYpertension in the VEry elderly Trial) durch die Kombinationstherapie mit Perindopril und Indapamid deutlich gesenkt werden. Die HYVET-Studie liefert auch die wissenschaftliche Begründung für den systolischen Blutdruckzielwert von 150 mmHg für Patienten über 80 Jahre, der jetzt auch in Leitlinien Eingang gefunden hat.

Ein erhöhter Blutdruck ist in höherem Lebensalter eher die Regel als die Ausnahme. Trotzdem gehört er nicht zum normalen Altern, betonte Prof. Dr. med. Cornel Sieber, Nürnberg, auf einem BDI-Symposium während des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

Die Hypertonie gehört zu einer Palette von Risikofaktoren, die die kardiovaskuläre und Gesamtmortalität von betagten Menschen beeinflussen. Sieber wies auch darauf hin, dass der Bluthochdruck zusammen mit dem Diabetes und der Dyslipidämie zu den drei Haupt-Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz, vor allem vom vaskulären Typ, gehört.

Schlaganfall ein entscheidender Endpunkt

Was es bringt, einen erhöhten Blutdruck von Menschen über 80 Jahren zu senken und wie weit man ihn senken soll, war lange Zeit unklar. Durch die Ergebnisse der HYVET-Studie gibt es inzwischen Gewissheit. In keiner anderen klinischen Interventionsstudie war das durch-schnittliche Alter der Teilnehmer so hoch. Die 3.845 Patienten der HYVET-Studie waren im Mittel 84 Jahre alt.

Sie erhielten Perindopril und Indapamid mit dem Ziel, einen Blutdruckwert von 150/80 mmHg zu erreichen. Als primärer Endpunkt wurde die Häufigkeit von Schlaganfällen analysiert. “Das ist der wichtigste Endpunkt für Hochbetagte, da er die Lebensqualität und Selbstständigkeit in der letzten Lebensspanne am meisten gefährdet”, so Sieber.

Die Studie wurde nach zwei Jahren vorzeitig abgebrochen, da sich ein klarer Vorteil für die Perindopril/Indapamid-Gruppe abzeichnete. Das Risiko für tödliche und nicht-tödliche Schlag-anfälle war in dieser Gruppe um 30%, das Risiko für tödliche Schlaganfälle um 39% und die Gesamtmortalität um 21% geringer.

Bisher hat außer der HYVET-Studie auch noch keine Studie gezeigt, dass das Auftreten einer Herzinsuffizienz bei sehr alten Hypertonikern durch eine blutdrucksenkende Therapie verhindert werden kann. Dieser Effekt war mit einer signifikanten Reduktion um 64% in der Perindopril/ Indapamid-Gruppe sogar sehr ausgeprägt, wie Prof. Dr. med. Carsten Tschöpe, Berlin, berichtete. “Den Blutdruck zu senken, ist entscheidend in der Prävention der Herzinsuffizienz bei älteren Menschen. Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems und Diuretika stehen hier ganz vorne”, so Tschöpe.

Da die Herzinsuffizienz älterer Patienten sehr häufig diastolisch bedingt ist, wie Tschöpe ergänzte, hat man mit der Kombination aus Perindopril und Indapamid eine effektive Möglichkeit der Prävention der nur schwer therapierbaren diastolischen Herzinsuffizienz in der Hand.

Mit dem angestrebten Zielblutdruck von 150/80 mmHg haben die Planer der HYVET-Studie offenbar einen guten Kompromiss gefunden zwischen der Reduktion kardiovaskulärer Endpunkte und der Erhöhung des Orthostase-Risikos. „Das Vermeiden von orthostatischen Reaktionen ist bei älteren Patienten ein wichtiges Anliegen, da diese das Sturzrisiko erhöhen, warnte Sieber. Deshalb sollte man den Blutdruck nicht zu tief senken. Auch die Leitlinie der Deutschen Hoch-druckliga hat den systolischen Zielwert aus der HYVET-Studie von 150 mmHg für Patienten
≥ 80 Jahre übernommen, wie Prof. Dr. med. Ulrich Kintscher, Berlin, unterstrich.

Quelle: BDI-Symposium „Aktuelle Hochdruck-Fragen“, DGIM-Kongress Wiesbaden, 6. April 2013

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