Bluthochdruck-Fixkombinationen bei der Behandlung von hypertonen Diabetikern eindeutig im Vorteil

25. Mai 2010 | Kategorie: Diabetes, Kombinationstherapie, Sartane
             

Die Hochrisikogruppe der hypertonen Diabetiker bedarf einer besonders durchdachten Bluthochdrucktherapie: Neben einer effektiven Blutdrucksenkung ist auch die richtige Wahl der entsprechenden Antihypertensiva wichtig, um Endorganschäden vorzubeugen oder gar zu verhindern. Laut der Aktualisierung der Hypertonie-Leitlinien der European Society of Hypertension (ESH) (1) bieten sich hierbei Kombinationstherapien an, die einen RAAS-Hemmer enthalten, wie z.B. Olmesartan.

So können neben einer starken und nachhaltigen Blutdrucksenkung auch besonders betroffene Organe wie die Niere geschützt werden, wie Experten auf einem Satellitensymposium der BERLIN-CHEMIE AG zur Hypertoniebehandlung in Stuttgart berichteten (2).

Das Risiko hypertoner Diabetiker kardiovaskuläre Begleiterkrankungen zu erleiden und daran zu versterben ist laut Studien um das zwei- bis vierfache erhöht (3). Der Beginn einer Hypertoniebehandlung wird daher schon bei mäßig erhöhten Blutdruckwerten empfohlen. Allerdings konnten klinische Studien der vergangenen Jahre keine ausreichende Evidenz liefern, dass sich der von den Leitlinien empfohlene Zielblutdruckwert von <130/80 mmHg positiv auf Diabetiker auswirkt1. Lediglich bei hypertonen Diabetikern mit einer Mikroalbuminurie bzw. einer Nephropathie konnte in der ADVANCE-Studie gezeigt werden, dass das Fortschreiten eines Nierenfunktionsverlustes durch einen derart niedrigen Blutdruckwert verzögert werden kann(4). Daher empfehlen die aktualisierten Leitlinien die Erreichung eines Blutdruckwertes von deutlich unter 140 mmHg, soweit der Patient es toleriert.

Hinsichtlich der Folgen einer zu starken Blutdrucksenkung bei Diabetikern ist die Studienlage interessanterweise nicht eindeutig, so Prof. Dr. Thomas Mengden, Bad Nauheim: Die aktuelle Diskussion um die sogenannte J-Kurve beschäftigt sich mit der Frage, ob ein zu niedriger diastolischer Blutdruck negative Auswirkungen auf die koronare Autoregulation hat. Nach Meinung von Prof. Mengden ist ein niedriger diastolischer Blutdruck jedoch nicht per se für eine erhöhte Morbidität und Mortalität verantwortlich. Die bestehende Studienlage lege eher die Vermutung nahe, dass Menschen mit einer hohen Blutdruckamplitude „gefährdeter“ sind. „Die diastolische J-Kurve ist aus meiner Sicht ein Artefakt der erhöhten arteriellen Steifigkeit.“, so Prof. Mengden zu der Diskussion (5,6).

Um den Blutdruck nicht nur entsprechend zu kontrollieren, sondern auch Endorganschäden vorzubeugen, empfehlen die aktualisierten Leitlinien für die Behandlung hypertoner Diabetiker Kombinationen, die einen RAAS-Hemmer beinhalten. So konnte in der ADVANCE-Studie gezeigt werden, dass durch die Behandlung mit einer Kombination aus ACE-Hemmer/Diuretikum das Vorkommen von renalen Ereignissen (Proteinurie, Mikroalbuminurie, Serumkreatinindopplung, Dialyse und Nierentransplantation) signifikant um 21 Prozent reduziert wurde (4). Die ACCOMPLISH-Studie belegte wiederum die Überlegenheit der Kombination ACE-Hemmer/Kalziumantagonisten im Vergleich zu ACE-Hemmer/Diuretikum: Die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität konnte hier um 20 Prozent (7) gesenkt, sowie die Progression von chronischen Nierenerkrankungen (8) in größerem Maße aufgehalten werden.

Eine starke Blutdrucksenkung konnte für die AT1-Kombination, bestehend aus Olmesartan und Amlodipin (Vocado®) in der COACH-Studie nachgewiesen werden (9). Zudem verbesserte diese Kombination die Stoffwechsellage durch signifikante Reduktion des Nüchtern-Insulins als auch der Insulinresistenz, nach einem halben Jahr Therapie gegenüber dem Ausgangswert (10). Insbesondere bei Nierenerkrankungen gehören RAAS-Hemmer zu den Antihypertensiva der ersten Wahl. In der erst kürzlich abgeschlossenen und derzeit noch in der Auswertung befindlichen ROADMAP-Studie wurde der präventive Effekt des AT1 Blockers Olmesartan (z.B. Votum®) hinsichtlich der Entstehung einer Mikroalbuminurie bei Typ-2-Diabetikern mit Normoalbuminurie untersucht. „Ein positives Ergebnis dieser Untersuchung ist zu erwarten, da mit Olmesartan in verschiedenen Studien protektive Eigenschaften auf das Gefäßsystem, wie z.B. die Plaque-Reduktion in Karotiden und Koronararterien, nachgewiesen wurden”, (11,12) so Prof. Dr. Roland E. Schmieder, Erlangen.

Quellen:
1 Mancia G et al., J Hypertens 2009; 27:2121-2158.
2 Symposium: „Hypertonie und Diabetes – Eine unselige Verbindung“, DDG-Jahreskongress Stuttgart, 18. Mai 2010.
3 Yusuf S et al., Lancet 2004; 364: 937–952.
4 ADVANCE Collaborative Group, Lancet 2007; 370:829-840.
5 Gerstein HC et al., N Engl J Med 2008; 358:2545-2559.
6 Pepine CJ et al., JAMA 2003; 290:2805-2816.
7 Jamerson et al., N Engl J Med 2008; 359:2417-28.
8 Bakris G.L. et al., Lancet 2010; 375:10.1016/S0140-6736(09)62100-0.
9 Chrysant et al., Clinic Ther 2008; 30(4):587-604.
10 Martinez-Martin et al., J Hypertens 2008; 26(suppl. 1):S331.
11 Stumpe et al., Ther Adv Cardiovasc Sci 2007; 1(2):97-106.
12 Hirohata A et al., JACC 2010; 55:976-982.

Quelle: BERLIN-CHEMIE

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