Niere


Nierengesundheit und Bluthochdruck bedingen sich gegenseitig:

Einerseits kann eine Nierenerkrankung die Ursache für Bluthochdruck sein, andererseits ist Bluthochdruck der bedeutsamste Faktor, der ein chronisches Nierenversagen vorantreibt. Eine richtige Blutdruckeinstellung ist ein aktiver Nierenschutz.

Nierenerkrankungen auf dem Vormarsch

Das chronische Nierenversagen ist ein stark unterschätztes Leiden. In Europa ist bereits ca. jeder Zehnte – zumindest in einem Frühstadium – betroff en. Im Spätstadium, wenn die Organfunktion unter 10% liegt, sind die Patienten auf eine Nierenersatztherapie, d.h. entweder auf eine Transplantation oder auf die Dialyse (“Blutwäsche”) angewiesen. In Deutschland werden derzeit über 90.000 Patienten mit einer Nierenersatztherapie (Dialyse oder Transplantation) versorgt – Tendenz steigend. Denn häufi g ist das chronische Nierenversagen eine Folge von Diabetes oder Bluthochdruck, zwei Erkrankungen, die in unserer Gesellschaft mittlerweile so häufi g sind, dass sie als “Volkskrankheiten” gelten.

Wenn die Nieren ihren Dienst versagen, ist das eine ernst zu nehmende Erkrankung. Zwar kann durch die Dialyse das Überleben der Betroff enen sichergestellt werden, aber sie ist eine “Dauertherapie” und stellt einen tiefen Einschnitt im Leben der Betroff enen dar. Die Patienten müssen in der Regel dreimal pro Woche mindestens vier Stunden lang in einem Dialysezentrum dialysiert werden (es gibt auch Verfahren, die der Patient Zuhause durchführen kann, aber auch sie sind zeitintensiv). Das Nierenversagen ist aber nicht nur mit Einbußen in der Lebensqualität verbunden, es geht auch mit einem dramatisch erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko einher. Bis zum Jahr 2015 werden weltweit über 36 Millionen Todesfälle auf das Konto chronischer Nierenerkrankungen und den daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Krankheiten gehen. Eine frühe Erkennung der Niereninsuffi zienz und eine rechtzeitige Behandlung kann also Leben retten!

Hochdruckpatienten sind häufig die Nierenpatienten von Morgen

Die häufigsten Ursachen der Niereninsuffizienz sind Bluthochdruck und Diabetes (“Zuckerkrankheit”). Besonders gefährlich – aber leider nicht selten – ist es, wenn beide Erkrankungen zusammenkommen. Ein großes Problem sind die Dunkelziffern, insbesondere bei Bluthochdruck: Ca. 15-20% der Gesamtbevölkerung sind betroffen und in der Altersstufe über 60 Jahre leidet sogar die Hälfte aller Menschen an Bluthochdruck. Allerdings merken viele lange Zeit gar nichts davon, da Bluthochdruck keine Schmerzen oder stark beeinträchtigende Symptome bereitet. So ahnt fast jeder Zweite nichts von seiner Erkrankung und wird folglich auch nicht behandelt. Doch Menschen mit unbehandeltem Bluthochdruck steuern eventuell “mit Hochdruck” in Richtung Dialyse, da Bluthochdruck die Nieren schädigt.

Bluthochdruck und Nieren – ein ungutes Zusammenspiel

Nierengesundheit und Bluthochdruck bedingen sich gegenseitig: Einerseits kann eine Nierenerkrankung die Ursache für Bluthochdruck sein, andererseits ist Bluthochdruck der bedeutsamste Faktor, der ein chronisches Nierenversagen vorantreibt. In jedem Fall muss der Bluthochdruck behandelt werden, besonders natürlich dann, wenn sich bereits erste Schäden an den Nieren zeigen. Dann ist es wichtig, eine Senkung des Blutdrucks auf unter 125/75 mmHg zu erreichen. Das reduziert nicht nur das Herz-Kreislauf-Risiko, sondern verzögert auch den weiteren Verlust der Nierenfunktion, kann ihn mitunter sogar gänzlich stoppen. Für Menschen mit Bluthochdruck ist daher die Früherkennung von Nierenerkrankungen besonders wichtig. Und umgekehrt ist eine richtige Blutdruckeinstellung ein aktiver Nierenschutz, weshalb der Weltnierentag 2009 unter das Motto “Blutdruck senken – Nierenfunktion erhalten” gestellt wurde.

Früherkennung ist ganz einfach!

Die Früherkennung erfolgt mit Hilfe eines einfachen Blut- und Urintests. Ihr Hausarzt kann dann erkennen, wie gut Ihre Nieren funktionieren. Dazu gehört in erster Linie ein Urintest auf Eiweißausscheidung. Bei einer gesunden Niere ist das Filtergewebe so dicht, dass höchstens 20 mg Eiweiß pro Tag im Urin ausgeschieden werden. Ist mehr Eiweiß im Urin, deutet das auf einen Nierenfunktionsschaden hin. Dieser Test sollte im Rahmen der zweijährlichen “Check-up-35”-Untersuchung erfolgen und wird auch von den Krankenkassen getragen. Risikogruppen wie Diabetiker und Menschen mit Bluthochdruck, die besonders häufig von einem chronischen Niereninversagen betroffen sind, sollten jährlich ihre Nierenfunktion testen lassen. Zudem müssen Blutdruck und Blutzucker normalisiert werden, sonst droht evtl. das “Schicksal Dialyse”.

Erst zum Hausarzt, dann bei Bedarf zum Nierenexperten

Wenn der Hausarzt Anzeichen einer Nierenerkrankung feststellt oder sich der Blutdruck als schlecht einstellbar erweist, sollte eine Überweisung zu einem Experten für Nieren- und Hochdruckerkrankungen (Nephrologen) erfolgen. Das ist wichtig, denn der Facharzt kann ggf. das Fortschreiten des Nierenfunktionsverlusts aufhalten.

Wie kann ich meine Nieren schützen?

Neben der regelmäßigen Früherkennung können Sie Ihre Nierengesundheit auch durch Ihren Lebensstil beeinflussen. So gelten die allgemeinen Gesundheitsempfehlungen auch für die Nierengesundheit. Dies betrifft das Rauchen, die Ernährung, Übergewicht und Bewegung. Generell gilt: Alles, was unsere Blutgefäße schützt, ist auch Nierenschutz.


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