DGK-Präsident Prof. Böhm:

28. April 2011 | Kategorie: Behandlung, News
             

Einfache Operation verringert Bluthochdruck ohne Medikamente und verbessert Zuckerstoffwechsel

Vom 27. – 30. April 2011 findet in Mannheim die 77. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt

Gute Nachrichten für Bluthochdruck- Patienten, die auf Medikamente nicht gut ansprechen: Überaktiven Nierennerven, die Bluthochdruck verursachen, können mit einem einfachen Eingriff mittels Hochfrequenzstrom verödet und ausgeschaltet werden. „Es kann mit einer schnellen Normalisierung des Blutdrucks gerechnet werden“, berichtet DGK- Präsident Prof. Michael Böhm. (Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar) „Im Durchschnitt senken wir den Blutdruck um 30 bis 40 mmHg (Milligramm Quecksilbersäule).“ Das als „interventionelle renale Sympathikusdenervation“ bezeichnete, per Katheter ausgeführte Verfahren kann bei Patienten, bei denen auch unterschiedliche blutdrucksenkende Medikamente nicht helfen, „Methode möglicherweise Therapie der Wahl sein. Die Ergebnisse sind beeindruckend, wir sind sehr optimistisch.“ Die neue Behandlungsmethode, so Prof Böhm, „führt nicht nur in Ruhe, sondern auch unter körperlicher Belastung und in der Erholungsphase zu einer deutlichen und signifikanten Blutdruckreduktion.

Auch Zuckerstoffwechsel-Situation verbessert sich nach Eingriff

Prof. Böhm: „Erstmals konnte jetzt gezeigt werden, dass sich auch die Zuckerstoffwechsel-Situation nach dem Eingriff deutlich verbessert.“ Das ist besonders angesichts des hohen Herz-Kreislauf-Risikos von Patienten mit nicht einstellbarem Bluthochdruck interessant und eröffnet neue therapeutische Ansätze mit dem Ziel der Reduzierung von Risikofaktoren.

Diese Studienergebnisse stellte Prof. Böhm bei einem Pressegespräch anlässlich der 77. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) vor. Von Mittwoch bis Samstag (27. – 30. April 2011) werden im Congress Center Mannheim (CCM) rund 7.000 aktive Teilnehmer aus 25 Nationen erwartet.

Vermehrte Stresshormone verursachen Bluthochdruck – Kleiner Eingriff beseitigt Ursache

Bei Bluthochdruck ist die Regulation des sympathischen Nervensystems (Stressnervensystem) häufig gestört und die Niere schüttet vermehrt Stresshormone wie Adrenalin aus. Die überaktiven Nervenenden, die denBluthochdruck vermitteln, werden per Katheter mittels Hochfrequenzstrom verödet und somit ausgeschaltet. Der Eingriff erfolgt an beiden Nieren minimal- invasiv jeweils über die Nierenarterie und dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Die Patienten sind während des Eingriffs ansprechbar, werden lokal betäubt und erhalten ein Schmerzmittel. „Ziel ist es, den Blutdruck dauerhaft zu senken und die Medikamenteneinnahme langfristig zu reduzieren, da viele der Betroffenen bis zu neun verschiedene Präparate täglich einnehmen müssen, jedoch ohne deutlichen Erfolg“, so Prof. Böhm. „Wir haben mittlerweile fast 50 Patienten mit der renalen Hochfrequenzablation behandelt.“

Fallen die laufenden Studien positiv aus, wird sich das neue Verfahren in der regulären Therapie von Bluthochdruckerkrankungen etablieren. Dies würde eine entscheidende Verbesserung in der Behandlung von schweren Bluthochdruckerkrankungen und deren Folgen bedeuten. Auch Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzschädigungen, Diabetes mellitus und durch Bluthochdruck bedingte Demenz könnte so wahrscheinlich vorgebeugt werden.

Europäisches Exzellenzzentrum für Bluthochdruck

Die von Professor Böhm geleitete Klinik wurde vor zwei Jahren zum Europäischen Exzellenzzentrum für Bluthochdruck gewählt und ist aktuell an mehreren internationalen Studien zur Erforschung des neuen Verfahrens beteiligt und hat bislang die meisten Patienten in ganz Europa behandelt. In Deutschland nehmen neben Homburg noch einige weitere universitäre Zentren teil. Prof. Böhm ist Leiter der Studie in Deutschland.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 7500 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

Quelle: Pressetext DGK 04/2011

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