Immer mehr Kinder leiden unter Bluthochdruck

20. September 2013 | Kategorie: News
             

Immer mehr Kinder leiden unter Bluthochdruck und den daraus entstehenden Folgeerkrankungen. Politik und Forschung schenken dieser Entwicklung zu wenig Beachtung.

Rund 700 000 Kinder in Deutschland haben möglicherweise einen zu hohen Blutdruck. Die Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention geht davon aus, dass in den kommenden Jahren immer mehr Kinder davon betroffen sein werden. Die Folge sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Organschäden und langfristig eine verkürzte Lebensdauer. Insbesondere die Behandlung der Folgeerkrankungen treibt die Kosten für das Gesundheitssystem in die Höhe. Die DHL® kritisiert, dass Politik und Forschung dieser Entwicklung weltweit zu wenig Beachtung schenken. Sie nimmt sich dem Thema deshalb verstärkt an und gründet jetzt eine Kommission für Hypertonie bei Kindern. Anlässlich des Weltkindertages am 20. September rät die DHL® Eltern, auf gute Ernährung und mehr Bewegung bei Kindern zu achten und regelmäßig den Blutdruck kontrollieren zu lassen.

„Bisher nahm man an, dass Kinder von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschont bleiben. Doch aktuelle Untersuchungen zeigen, dass rund 20 bis 30 Prozent aller 15- bis 20-Jährigen bereits Veränderungen an den Herzkranzgefäßen aufweisen“, mahnt Dr. med. Martin Hulpke-Wette, niedergelassener Kinderkardiologe in der Präventionspraxis für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Göttingen. Dies seien erste Anzeichen für eine beginnende Arteriosklerose, die unbehandelt zu Bluthochdruck und sogar Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- und Gefäßschäden führen kann. Daher sei es wichtig, auch schon bei Kindern den Blutdruck zu untersuchen, insbesondere wenn bereits Familienmitglieder daran erkrankt sind.

Ursache von zu hohem Blutdruck im Kindesalter ist häufig Übergewicht. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind übergewichtig, rund acht Prozent sogar adipös, also fettleibig. „In den vergangenen 20 Jahren konnten wir eine regelrechte Übergewichtsepidemie bei Kindern und Jugendlichen beobachten“, so Hulpke-Wette. Dies führe, wie bei Erwachsenen auch, zu gesundheitlichen Problemen. Aber auch Schlafstörungen oder organische Schäden wie Nieren- und Stoffwechselerkrankungen können Bluthochdruck bei Kindern verursachen. „Eine frühe Diagnose beugt Schäden vor. Daher sollte bei allen Kindern ab drei Jahren regelmäßig der Blutdruck kontrolliert werden“, fordert Hulpke-Wette. Hierbei seien jedoch mehrere Messungen oder eine 24-Stunden-Messung notwendig, da Kinder oft mit Stress auf die Untersuchung reagieren.

Bei jungen Menschen steigt der Blutdruck mit dem Alter und der Körpergröße an. „Das erschwert es, eine klare Grenze zwischen normalen und erhöhten Werten zu ziehen, wie es bei Erwachsenen möglich ist“, erläutert Professor Dr. med. Hans-Georg Predel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DHL® aus Köln. Um Diagnose und Therapie zu erleichtern, hat die DHL® Grenzwerte festgelegt: für 12-Jährige 125 zu 80 mmHg, für 16-Jährige 135 zu 85 mmHg und für über 18-Jährige 140 zu 90 mmHg. Auch die Therapie mit Medikamenten ist bei Kindern nicht einfach: „Es gibt bislang weder Studien zur Medikamentenvergabe bei Kindern mit Bluthochdruck, noch sind für diese Patientengruppe Präparate zugelassen“, bedauert Predel. Wenn auch die nicht-medikamentösen Maßnahmen therapeutisch eindeutig im Vordergrund stehen, sei in Einzelfällen eine medikamentöse Therapie, die dann im Wesentlichen auf Erkenntnissen aus der „Erwachsenenforschung“ beruht, notwendig, um die Gesundheit des Kindes langfristig zu erhalten.

Um Vorbeugung, Therapie und Aufklärung von Kindern mit Hypertonie zu stärken, gründet die DHL® jetzt die Kommission für Hypertonie bei Kindern. „Wir möchten mit diesem Schritt auch ein Zeichen setzen: Immer mehr Kinder sind von Krankheiten betroffen, die bisher nur im Erwachsenenalter auftraten“, so Predel. „Das kranke Kind heute ist der chronisch kranke und potenziell arbeitsunfähige Erwachsene von morgen. Mit geeigneten Präventionsmaßnahmen und Erkenntnissen aus der Forschung können wir diese für die Betroffenen wie auch für die Gesellschaft gefährliche Entwicklung stoppen. Aber hier ist auch die Politik gefragt, die diese Maßnahmen fördern muss.“

Quelle: Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention

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