Perindopril-Arginin/Indapamid senkt Mortalität von Risikopatienten

27. Mai 2011 | Kategorie: ACE-Hemmer, Kombinationstherapie
             

Auf dem Symposium des Arbeitskreises Hypertonie im BDI e.V. während des 117. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden, beleuchteten Experten aktuelle Trends und Themen im Bereich des Hypertonie-Managements. Dabei wurde der besondere Stellenwert einer Perindopril/Indapamid-Kombination in der Organprotektion bei Diabetikern und sehr alten Patienten deutlich. Außerdem wurde die Rolle einer erhöhten Herzfrequenz als Risikofaktor thematisiert.

Lediglich die Ergebnisse von Subgruppen-Analysen führten dazu, dass in den ESH-Leitlinien von 2007 für Diabetiker ein Blutdruckzielwert von < 130/80 mmHg festgelegt wurde, wie Prof. Joachim Hoyer, Marburg, erinnerte. In den letzten Jahren mehrten sich jedoch Zweifel daran, ob eine Blutdrucksenkung unter diesen Wert für diese Patienten vorteilhaft ist. Neubewertung des Blutdruckzielwertes für Diabetiker
In einer Analyse der INVEST-Studie bei KHK-Patienten fiel, auf, dass die Myokardinfarkthäufigkeit mit fallendem diastolischen Blutdruck abnahm, aber bei Werten unter 80 mmHg wieder leicht anstieg. Dieses sogenannte J-Kurven-Phänomen bestätigte später eine große Meta-Analyse.
Klärung brachte die ACCORD-Studie, die keinen Unterschied in kardiovaskulären Endpunkten fand zwischen Diabetikern mit intensiver und weniger intensiver Blutdrucksenkung. Lediglich Schlaganfälle traten in der intensiv behandelten Gruppe signifikant seltener auf. Interessanterweise gab es in der ACCORD-Studie keinen Hinweis auf ein J-Kurven-Phänomen, so Hoyer.
In der Neufassung der ESH-Leitlinien 2009 wurde ein Zielkorridor für den systolischen Blutdruck von 130 bis 139 und für den diastolischen von 80 bis 85 mmHg festgelegt, in dessen unterem Bereich sich der Blutdruck bewegen sollte, für niedrigere Werte liegen keine Daten vor.

ADVANCE: Mortalitätsvorteil durch Perindopril-Arginin/Indapamid
Auch dieses Ziel lässt sich in der Regel nur mit einer Kombinationstherapie erreichen. Als Strategie erster Wahl für Diabetiker bietet sich die Kombination aus Perindopril-Arginin und Indapamid (BiPreterax® N) an, da für sie im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikante Reduktion der Gesamtmortalität (-14%; p = 0,03) und kardiovaskulären Mortalität (-18%; p = 0,03) in der größten Studie an diesem Patientenkollektiv (ADVANCE-Studie) belegt ist. Außerdem wurde der Blutdruck in der Verumgruppe genau in den aktuellen Zielbereich gesenkt. In der PROGRESS-Studie war die Therapie mit Perindopril ± Indapamid auch in der Sekundärprävention des Schlaganfalls effektiv.

HYVET bringt Evidenz für die Ältesten
Dass auch Patienten über 80 Jahre von der Senkung des Blutdrucks profitieren, hat die HYVET-Studie eindrucksvoll gezeigt. Die Per-Protokoll-Analyse ergab eine Senkung der Gesamtmortalität um 28% (p = 0,001), der Rate an tödlichen Schlaganfällen um 45% (p = 0,02) und der kardiovaskulären Mortalität um 27% (p = 0,03). „Die HYVET- Studie hat einen Trend gesetzt für die evidenzbasierte Medizin bei den ältesten Patienten“, erklärte Prof. Cornel Sieber, Nürnberg. Mit seiner 24-Stunden-Wirksamkeit und Stoffwechselneutralität besitzt Indapamid als Kombinationspartner eines ACE-Hemmers auch deutliche Vorteile gegenüber Hydrochlorothiazid. Sieber wies besonders darauf hin, dass die HYVET-Studie auch eine Senkung des Herzinsuffizienzrisikos um 72% (p < 0,001) fand, die schon sehr früh deutlich wurde. Frequenzsenkung schützt
Wie Prof. Heribert Schunkert, Lübeck, ergänzte, spielt für die Prognose von Patienten mit Herzinsuffizienz auch die Herzfrequenz eine wichtige Rolle.
In der SHIfT-Studie wurde durch eine exklusive Reduktion der Herzfrequenz mit Ivabradin das Risiko für den kombinierten primären Endpunkt (kardiovaskulärer Tod oder Krankenhaus-aufnahme wegen Verschlechterung der Herzinsuffizienz) signifikant um 18% (p < 0,0001) gesenkt. „Die Vorteile einer guten Frequenzkontrolle durch Ivabradin sollte bei allen Patienten mit KHK und Angina pectoris im Sinusrhythmus bedacht werden“, so Schunkert. Wie Prof. Carsten Tschöpe, Berlin, ausführte, hat erstmals die BEAUTIfUL-Studie prospektiv bei Patienten mit KHK und eingeschränkter linksventrikulärer Ejektionsfraktion gezeigt, dass eine erhöhte Herzfrequenz ein wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor ist. Informationsgewinn durch PWV-Messung
Neue Aspekte der Diagnostik bereicherten den Themenkreis. Dr. Stephan Lüders, Cloppenburg, wies darauf hin, dass der am Oberarm gemessene Blutdruck nicht immer das zentrale Geschehen widerspiegelt. Die Messung der Pulswellengeschwindigkeit (PWV) als zusätzlichem Parameter des zentralen Drucks wird heute bereits in den Leitlinien für besondere Risikopatienten empfohlen. Ein Anstieg der PWV ist mit einem erhöhten Ereignisrisiko verbunden. Erreicht sie Werte von 10-12 m/sec, kann man davon ausgehen, dass Endorganschäden vorliegen. Die meisten Antihypertensiva haben auch zentrale hämodynamische Effekte, nur Betablocker erhöhen den zentralen Blutdruck.

Therapierefraktäre Hypertonie
Prof. Roland Schmieder, Erlangen, berichtete über das Thema „therapierefraktäre Hypertonie“. Er betonte, dass eine 24-Stunden-Blutdruckmessung in dieser Situation Pflicht ist. Bevor man sich auf die Suche nach einer sekundären Ursache begibt, muss jedoch zum einen die Compliance geprüft werden und zum anderen, ob die richtige Fixkombination in ausreichender Dosierung zum Einsatz gekommen ist.

Quelle: Servier

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