Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann ist der Notarzt zu rufen?

7. April 2013 | Kategorie: News
             

Zum Weltgesundheitstag: Deutsche Herzstiftung bietet kostenfreie Checkliste zur Vermeidung von Risiken

Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland und weltweit. Oft führen erst die katastrophalen Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks die Menschen zum Arzt: Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Nierenschädigung oder Minderung des Sehvermögens. Die frühzeitige Erkennung und eine konsequente Behandlung des Bluthochdrucks sind deshalb so wichtig, um es zu einer schleichenden schwerwiegenden Schädigung von Gehirn, Herz, Niere und Augen gar nicht erst kommen zu lassen. Zu hoher Blutdruck ist definiert als eine mehrfach gemessene Erhöhung des Blutdrucks ab 140/90 mmHg. Der optimale Wert liegt bei 120/80 mmHg.

Was liegt vor: Bluthochdruckkrise oder Bluthochdrucknotfall?

Auch wenn der Bluthochdruck bereits behandelt wird, kann es vorkommen, dass der Blutdruck plötzlich ansteigt und Werte z.B. von über 220/120 mmHg erreicht. Was ist dann zu tun? „Die Antwort hängt davon ab, ob der hohe Blutdruck nur mit geringfügigen Missempfindungen auftritt, eine sogenannte Bluthochdruckkrise besteht, oder ob mit dem hohen Blutdruck ernste Beschwerden verbunden sind. Dann handelt es sich um einen Bluthochdrucknotfall, bei dem sofort die 112 (Rettungsleitstelle) alarmiert werden muss, da Herzinfarkt oder Schlaganfall die Folge sein können“, warnt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Budde, Direktor der Klinik für Innere Medizin I und Kardiologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Um solche Risiken zu vermeiden, bietet die Deutsche Herzstiftung anlässlich des Weltgesundheitstags der WHO am 7. April auf folgendem Link eine Checkliste zum Download: www.herzstiftung.de/Blutdruck-Anstieg-Notarzt-rufen.html Die Checkliste zeigt an, in welchen Fällen man bei deutlichem Blutdruck-Anstieg den Notarzt alarmieren sollte.

Welche Beschwerden deuten auf einen Bluthochdrucknotfall hin?

Der Bluthochdrucknotfall ist dadurch charakterisiert, dass mit dem hohen Blutdruck starke Beschwerden auftreten: Brustschmerzen, Atemnot, neurologische Ausfälle (Seh- oder Sprechstörungen), Benommenheit, Lähmungen, Übelkeit, Erbrechen. Diese Beschwerden weisen auf akute Schädigungen der vom Bluthochdruck betroffenen Organe hin. „Die Beschwerden sind entscheidend und nicht die absolute Höhe des Blutdrucks, die durchaus auch unter 200/100 mmHg liegen kann“, sagt Prof. Budde. „Möglich sind: Hirnödem, Schlaganfall, Hirnblutung, Herzinfarkt, Herzversagen, Lungenödem, Einrisse von Arterien, schlimmstenfalls, Einrisse der Hauptschlagader und andere Störungen.“
In diesen Fällen ist der sofortige Anruf bei der 112 (Rettungsleitstelle) notwendig. Hier gilt: Jede Minute zählt. Es empfiehlt sich, bei dem Anruf den Verdacht Bluthochdrucknotfall zu äußern, damit nicht ein Krankenwagen geschickt wird, sondern ein Rettungswagen mit Notarzt, so dass der Notarzt sofort am Einsatzort die Behandlung beginnen kann. Nur der Notarzt kann darüber entscheiden, welche Therapie in der jeweiligen Situation einzusetzen ist. Der Notarzt begleitet den Patienten ins Krankenhaus, wo die Behandlung fortgesetzt wird.

Wichtig nach einer Bluthochdruckkrise: Blutdruck mehrere Tage sorgfältig überwachen und gegebenenfalls Arzt aufsuchen

Bei der Bluthochdruckkrise hat der Patient zwar einen sehr hohen Blutdruck, aber keine ernsten Beschwerden. In den meisten Fällen wird der Patient bereits mit Blutdruckmedikamenten behandelt. „Dann hat der Arzt in der Regel mit ihm besprochen, was zu tun ist“, weiß Prof. Budde. In solchen Fällen empfiehlt der Kardiologe den Patienten, sich hinzulegen und zu entspannen. „Denn sehr oft geht die Blutdruckerhöhung darauf zurück, dass der Patient seine Blutdruckmedikamente nicht eingenommen hat. Dann soll er das unverzüglich nachholen.“
Nach einer Bluthochdruckkrise sollte der Patient seinen Blutdruck die nächsten Tage sorgfältig überwachen. Bleibt er zu hoch, muss umgehend der Arzt aufgesucht werden. Tritt ein hoher Blutdruck, z.B. von über 190/100 mmHg erstmals auf, dann sollte der Patient nicht in Panik geraten, sondern sich ruhig hinlegen, Musik hören und eine halbe Stunde warten und dann sehen, wie sich der Blutdruck verhält. In aller Regel gehen die Blutdruckwerte auf etwa 160/100 mmHg zurück. Dann sollte möglichst bald der Arzt aufgesucht werden, um eine Therapie einzuleiten. Bleibt der Blutdruck unverändert hoch, ist eine sofortige Behandlung beim Arzt oder in der Ambulanz einer Klinik angezeigt.

Ein ausführlicher Experten-Beitrag von Prof. Dr. Thomas Budde zu diesem Thema enthält der Ratgeber „Bluthochdruck heute – Lebensstil, Medikamente, neue Verfahren“ (88 Seiten) der Deutschen Herzstiftung. Der Band kann für 3 Euro (Versandkosten) angefordert werden unter: www.herzstiftung.de/Bluthochdruck-Sonderband.html oder telef. unter 069 955128-0

Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V.

Kommentare sind geschlossen