Schlaganfallrisiko durch verengte Halsschlagader

3. Dezember 2009 | Kategorie: Schlaganfall
             

Was hilft am besten: Medikamente, Operation oder Stent?

Patienten, die an Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder erhöhten Blutfettwerten leiden, haben ein erhöhtes Risiko, Gefäßverengungen durch Ablagerungen an der Gefäßwand zu entwickeln (Gefäßverkalkung, Arteriosklerose). In der Halsschlagader können diese Veränderungen zu vorübergehenden Ausfällen verschiedener Hirnfunktionen oder einem Schlaganfall führen. Zur Vermeidung eines Schlaganfalls gibt es verschiedene Therapieverfahren: Die Operation, den Stent oder die konservative medikamentöse Therapie. Welches Verfahren das Beste ist, ist derzeit nicht gesichert.

plaqueAbb.: Röntgendarstellung der Halsschlagader. Der Pfeil markiert die Einengung der Halsschlag-ader durch Plaque (Kalkablagerung). Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

Untersuchung drei etablierter Therapieverfahren im Rahmen der SPACE-2-Studie an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg

Wenn eine verengte Halsschlagader bisher keine Schlaganfallssymptome verursacht hat, bietet sich die Teilnahme an der SPACE-2-Studie in der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg an. Die Studie läuft seit Mai 2009 in Zusammenarbeit mit der Klinik für Gefäßchirurgie und der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Hacke. Es soll wissenschaftlich überprüft werden, ob die derzeit bei den Patienten angewendeten Therapieverfahren bei verengter Halsschlagader gleichwertig sind, oder ob eines der Verfahren entscheidende Vorteile bringt. Dabei werden die medikamentöse Therapie, die Operation und die Einlage eines Stents, also eines feinen Maschendrahtes zur Gefäßwandstabilisierung, miteinander verglichen.

Reicht eine optimale medikamentöse Therapie zur Vorbeugung eines Schlaganfalls aus?

Frühere Studien haben zwar leichte Vorteile einer Operation bei der Verhinderung von Schlaganfällen gezeigt, jedoch ist die medikamentöse Therapie in den letzten Jahren deutlich verbessert worden. Dabei erhalten die Patienten blutverdünnende Medikamente, die verhindern, dass die Blutplättchen verklumpen und die Gefäße verstopfen. Durch den Einsatz von blutfettsenkenden Medikamenten kann ein Fortschreiten der Arteriosklerose verlangsamt werden. Auch Blutdruck und Blutzucker können mit Medikamenten optimal eingestellt werden.

Die im Mai 2009 gestartete SPACE-2-Studie (Stent-Protected Percutaneous Angi-oplasty of the Carotid versus Endarterectomy-2) soll klären, ob die rein medikamentöse Behandlung ausreicht, oder ob die Betroffenen von weiteren Therapien mit Beseitigung der Stenose profitieren.

Als zusätzliche Therapieverfahren kommen in Frage:
o Die Operation der Halsschlagader mit Eröffnung des Gefäßes, wobei die Gefäßablagerungen entfernt werden.
o Die Aufdehnung des Engpasses mit Einsatz eines kleinen Maschendraht-Röhrchens (Stent), der das Gefäß frei hält. Der Stent wird mit Hilfe eines Katheters über die Leiste bis an die Halsschlagader gebracht.
o Die Eingriffe selbst sind heutzutage Routineeingriffe und werden im Rah-men der Studie von erfahrenen Spezialisten durchgeführt. Die Patienten werden im Rahmen der Studie über mehrere Jahre regelmäßig von den Studienärzten untersucht und optimal medikamentös eingestellt.
Die Ergebnisse dieser Studie werden maßgeblichen Einfluss auf die weitere The-rapieentscheidung bei Patienten mit asymptomatischen Stenosen der Halsgefäße haben.

SPACE-1-Studie: Operation und Stenteinlage sind gleichwertig

Im Rahmen der unter der Führung der neurologischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführten SPACE-1-Studie waren bereits Patienten untersucht worden, die in Folge einer Verengung der Halsschlagader einen Schlaganfall oder Vorboten eines Schlaganfalls erlitten hatten. Dabei stellte sich heraus, dass die operative Therapie der Halsschlagader zwar weiterhin das Standardverfahren bleiben sollte, die Stenteinlage aber dann eine gleichwertige Alternative darstellt, wenn sie durch einen erfahrenen Arzt durchgeführt wird.

Welche Patienten können an der SPACE-2-Studie teilnehmen?

Teilnehmen können Patienten im Alter zwischen 50 und 85 Jahre, die eine hochgradige Verengung der Halsschlagader haben. Die Patienten erhalten im Rahmen der Studie an einem spezialisierten Zentrum eine regelmäßige ausführliche neu-rologische Untersuchung, Ultraschallkontrollen der Halsgefäße, Risikoscreening und eine medikamentöse Therapieoptimierung.

Frau Ines Ludwig
Studienassistentin Neurologische Klinik
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221/56 38856
Ines.Ludwig@med.uni-heidelberg.de

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

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